4. Ratingagenturen-Verordnung

Bericht des Ausschusses der drei EU-Aufsichtsbehörden zur Rating-Agenturverordnung

Am 20. Dezember 2016 hat der „Joint Committee of the three European Supervisory Authorities“ die seit langem erwarteten Leitlinien zur CRA III (Final Report Good Supervisory Practices for Reducing Mechanistic Reliance on Credit Ratings) auf seiner Homepage veröffentlicht.

Im kommenden Jahr wird geklärt werden, zu welchen Änderungen diese Leitlinien zur Konkretisierung der CRA-III-Anforderungen III für die EbAV führen werden.


 

ESMA Konsultation: Wettbewerb, Auswahl und Interessenkonflikte in der Ratingbranche

Bis zum 31. März 2015 lief die Konsultation zu „Call for Evidence - Competition, choice and conflicts of interest in the credit rating industry” der europäischen Wertpapieraufsicht ESMA. Die aba hat in ihrer Stellungnahme Antworten zu den Fragen eingereicht, die ESMA an die institutionellen Investoren gerichtet hatte.

Weitere Informationen zu dieser ESMA-Konsultation sind auf der ESMA-Website zu finden.


 

Konsultation der EU-Aufsichtsbehörden: Nutzung von externen Ratings

Das „Discussion Paper on the use of credit ratings by financial intermediaries – Article 5(a) of the CRA Regulation“ der drei europäischen Aufsichtsbehörden (EIOPA, ESMA und EBA) hatte zum einen zum Ziel, einen vorläufigen Überblick über die aufsichtsrechtliche Praxis der zuständigen Behörden zu geben, zum anderen sollten sich u.a. auch die beaufsichtigten Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung (EbAV) zum Grad ihrer vertraglichen Nutzung und ggf. Abhängigkeit von Ratings äußern. An der Konsultation zur Nutzung externer Ratings, deren Frist der 27. Feb. 2015 war, hat sich auf die aba mit einer Stellungnahme beteiligt.

Die aba betont in ihrer Antwort, dass EbAV ihre Kapitalanlageentscheidungen nie ausschließlich auf der Basis externer Ratings treffen. Neben einer Reihe von Vorteilen externer Ratings – Einfachheit, relativ niedrige Produktionskosten, Informationsvorsprung und standardisierte Prozesse der Ratingagenturen – wird in der Antwort aber auch auf mögliche Nachteile von externen Ratings hingewiesen: es gibt nur eine relativ kleine Zahl an Ratingagenturen und es fehlt manchmal an spezifischen Informationen. Die aba setzt sich dafür ein, dass die Europäischen Aufsichtsbehörden bei der Regulierung von Ratingagenturen die Nutzer der Ratings im Blick haben. Institutionelle Investoren dürfen nicht gezwungen werden, eigene – mit Ratingagenturen ggf. vergleichbare - Kreditanalyseprozesse zu implementieren. Dies würde viele Investoren, insbesondere EbAV, die oftmals nur einen eingeschränkten Geschäftsbetrieb haben, überfordern und darüber hinaus zu keinem wesentlichen Erkenntnisgewinn führen.


 

ESMA-Liste der registrierten und zertifizierten Ratingagenturen

Die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) in Paris ist u.a. zuständig für die Registrierung und Aufsicht über Ratingagenturen (CRA) in der EU. Auf ihrer Website findet sich eine Liste der der registrierten und zertifizierten Ratingagenturen. Diese Liste wird von ESMA im Einklang mit Artikel 18 Absatz 3 der Verordnung über Ratingagenturen veröffentlicht und innerhalb von fünf Arbeitstagen nach Annahme eines Registrierungs- oder Zertifizierungsbeschlusses aktualisiert. Die EU-Kommission veröffentlicht die Liste nach jeder Aktualisierung innerhalb von 30 Tagen im Amtsblatt der Europäischen Union.


 

ESMA Bericht: Top 3 Ratingagenturen haben einen Marktanteil von über 85%

ESMA hat am 16. Dezember 2013 einen kurzen Bericht (CRAs’ Market share calculation according to Article 8d of the CRA Regulation) zur den Marktanteilen der einzelnen Ratingagenturen veröffentlicht. Der Marktanteil ergibt sich aus den jährlichen Umsätzen der Rating-agenturen auf Gruppenlevel für das Jahr 2012. Dem Bericht zu Folge haben die großen 3 Ratingagenturen S&P, Moody’s und Fitch – wie zu erwarten – mit Abstand die größten Marktanteile und zusammen einen Marktanteil von über 85%.

Die Ratingagenturen-Verordnung zielt darauf ab, den Wettbewerb zwischen den einzelnen Agenturen zu stärken. Nach Artikel 8d der Verordnung sollen Emittenten oder mit ihm verbundene Dritte, die Berichte von zwei verschiedenen Ratingagenturen anfordern, erwägen, eine Agentur mit einem Marktanteil von weniger als 10% auszuwählen. Um diese Auswahl zu erleichtern, ist ESMA verpflichtet, einmal jährlich eine Tabelle zu veröffentlichen, die die Marktanteile der einzelnen Agenturen angibt.


 

Ratingagenturen-Verordnung: aba Positionspapier

Am 20. Juni 2013 ist die Verordnung (EU) Nr. 462/2013 zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 1060/2009 über Ratingagenturen (Rating­agenturen-Verordnung auf deutsch und auf englisch, konsolidierte Fassung der Verordnung von 2009) und die Richtlinie 2013/14/EU vom 21.05.2013 zur Änderung der Richtlinie 2003/41/EG über die Tätigkeiten und die Beaufsichtigung von Einrichtungen der betrieblichen Altersvorsorge (EbAV-RL) im Hinblick auf einen übermäßigen Rückgriff auf Ratings in Kraft getreten. 

Die neue Ratingagenturen-Verordnung sieht für EbAV vor, dass diese eigene Kreditrisikobewertungen vornehmen und sich bei der Bewertung der Bonität eines Unternehmens oder eines Finanzinstruments nicht ausschließlich oder automatisch auf Ratings stützen.  

  • Die aba unterstützt das mit der Verordnung verfolgte Ziel, Rating­agenturen stärker zu regulieren und die Abhängigkeit der Investoren von Ratingagenturen aufgrund regulatorischer Anforderungen zu reduzieren.

  • Die Forderung eigene – mit Ratingagenturen ggf. vergleichbare Kredit­analyseprozesse – zu implementieren, lehnt die aba ab. Dies würde viele Investoren, insbesondere EbAV, die oftmals nur einen eingeschränkten Geschäftsbetrieb haben, überfordern und darüber hinaus zu keinem wesentlichen Erkenntnisgewinn führen.

  • Die aba empfiehlt daher, den EbAV Mindeststandards für „interne“ Kreditanalyseprozesse vorzugeben. Zu diesen Mindeststandards im Bereich der marktüblich gerateten Rentendirektanlagen zählen u.E. die Verwendung von Ratings etablierter Ratingagenturen zzgl. der Auswertung der Ratingberichte und die Prüfung des Bestehens eines „Sicherungssystems“ i.w.S.

  • Bei indirekten Anlagen, die durch spezialisierte Manager verwaltet werden, sehen wir die Kapitalverwaltungsgesellschaften oder die Asset Manager für die Kreditwürdigkeitsbeurteilung allein als zuständig an. Über den jeweiligen Anlageausschuss oder über Regelungen in den Fondsbedingungen und Anlagerichtlinien ist sicherzustellen, dass die Kapitalverwaltungsgesellschaft die aufsichts­rechtlichen Vorgaben hinsichtlich Rating und Bonitätsprüfung einhält.  

Die Verordnung gilt (im Gegensatz zu einer Richtlinie) unmittelbar. Die Ebene 2-Maßnahmen durch die europäische Wertpapieraufsichts­behörde ESMA (European Securities and Markets Authority) stehen derzeit noch aus. Die BaFin hat am 23. Okt. 2013 ihre modifizierten Hinweise zur Verwendung externer Ratings und zur Durchführung eigener Kreditrisikobewertungen veröffentlicht.

Das aba-Positionspapier zur neuen Anforderung an EbAV, eigene Kreditrisikobewertungen vorzunehmen ist auf deutsch und auf englisch verfügbar.


 

     

     

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