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Renten-Tracking und Dashboard: Empfehlungen aus Brüssel, aber die Mitgliedstaaten entscheiden

10.12.2021

Die Europäische Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (EIOPA) hat am 1. Dezember 2021 ihre Empfehlung an die Europäische Kommission zu zwei Instrumenten für die Altersversorgung veröffentlicht: das Renten-Tracking-System und das Renten-Dashboard. Die Empfehlung ist nach Ansicht von EIOPA ein wichtiger Schritt, um das Bewusstsein der Bürger für ihr zukünftiges Renteneinkommen zu schärfen, die Überwachung der nationalen Rentensysteme zu verbessern und letztendlich einen Weg zur Schließung von Rentenlücken zu finden.

Renten-Tracking-System

Das Rentenverfolgungssystem soll den Bürgern helfen, zu verstehen, welches Einkommen sie im Ruhestand erwarten können, und sie dafür sensibilisieren, ob dieses Einkommen ausreichen wird. In 20 Mitgliedstaaten ist es den Bürgern derzeit nicht möglich, sich einen Überblick über ihre Rentenansprüche aus allen möglichen Rentenquellen in zugänglicher Form zu verschaffen.

Mit dem Ziel, den Mitgliedstaaten in Europa zu helfen, die noch kein System zur Nachverfolgung von Rentenansprüchen haben, stellt EIOPA in ihrem Ratschlag eine Reihe von Grundsätzen, bewährten Praktiken und Empfehlungen zur Verfügung, die darauf abzielen, den Bürgern den digitalen Zugang zu persönlichen Renteninformationen zu erleichtern.

Der Aufbau eines Rentenverfolgungssystems kann mehrere Jahre dauern. Um den Mitgliedstaaten diesen Prozess zu erleichtern, hat EIOPA einen visuellen Fahrplan entwickelt, der vier Phasen von der Vorbereitung bis zur Einführung umfasst, einschließlich relevanter konzeptioneller und praktischer Schritte, die in jeder Phase zu berücksichtigen sind.

n Bezug auf die Produktgestaltung empfiehlt EIOPA, die wichtigsten Informationen auf einfache Weise darzustellen, um ein Rentenverfolgungssystem für die Verbraucher ansprechend und verständlich zu machen.

Die Mitgliedstaaten werden außerdem ermutigt, eine Verbindung zum European Tracking Service herzustellen, um mobilen Arbeitnehmern innerhalb der EU den Zugang zu ihren im Laufe ihrer Karriere erworbenen Rentenansprüchen zu ermöglichen.

Renten-Dashboard

Das Ziel des Renten-Dashboards ist es, die Transparenz über Angemessenheits- und Nachhaltigkeitslücken zu erhöhen, um politischen Entscheidungsträgern auf nationaler und EU-Ebene zu helfen, fundierte Entscheidungen zu treffen.

EIOPA rät, ein visuelles Renten-Dashboard zu entwickeln, um die Überwachung der Rentenentwicklungen in den Mitgliedstaaten zu verbessern, indem ein vollständiger Satz von Indikatoren präsentiert wird, die eine verbesserte Analyse und einen Vergleich ermöglichen und zudem leicht zu verstehen sind. EIOPA empfiehlt insbesondere die Verwendung von Indikatoren aus den dreijährlichen Berichten der Europäischen Kommission über die Alterung der Bevölkerung, die Angemessenheit der Renten und die Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen. Diese Indikatoren müssen durch Schlüsselinformationen über den Beitrag der privaten betrieblichen und persönlichen Altersvorsorge ergänzt werden.

Darüber hinaus empfiehlt EIOPA, zusätzliche Daten zur Altersvorsorge von privaten Anbietern, einschließlich Anbietern von Nicht-Pensionsfonds, zu erheben.

EIOPA stellte erhebliche Datenlücken fest, da wichtige Daten nur für die Hälfte der in der EU angebotenen Zusatzrentenpläne und -produkte verfügbar sind. Daher ist EIOPA der Ansicht, dass die Beseitigung dieser Datenlücken von wesentlicher Bedeutung ist, um die Mitgliedstaaten in die Lage zu versetzen, Rentenprognosen zu erstellen und geeignete politische Maßnahmen zu entwickeln, um dem künftigen Druck auf die öffentlichen Finanzen oder der Altersarmut zu begegnen. Für die Umsetzung wird ein schrittweiser Ansatz empfohlen, bei dem die derzeit verfügbaren Rentendaten verwendet und die Indikatoren im Laufe der Zeit verbessert werden.

Die beiden Empfehlungen nebst vielen zusätzlichen Informationen finden Sie auf der Website von EIOPA.

Am 8. September 2021 hatte PensionsEurope Stellung zur EIOPA-Konsultation zum Pension Tracking und Pension Dashboard genommen. Die Stellungnahme, an der auch die aba mitgearbeitet hat, spricht sich dafür aus, die Inhalte der digitalen Rentenübersicht möglichst eng an bereits vorhandene Informationspflichten wie die in der EbAV-II-RL geforderte Renteninformation (Art. 39 ff. EbAV-II-RL) zu binden.

Im Rahmen der European Retirement Week wurden die Empfehlungen vorgestellt und diskutiert. Dazu hat die aba auch eine Presseinformation verschickt.

Informationen über die politischen Hintergründe der EIOPA-Empfehlungen, die in der Form einer „Technischen Beratung“ (Technical Advice) veröffentlicht wurden, finden sich in einem Artikel der Reihe „EU erklärt“.